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Altes Kreuz in neuer Sakristei
Altarkreuz aus dem 17. Jahrhundert führt in Ernst der Feier ein
Von Propst i. R. Paul Jakobi
Nach den Vorschriften der Kirche
muss die hl. Messe, das Kreuzesopfer Jesu Christi, immer vor oder unter einem Kreuz gefeiert werden. Aus diesem Grunde hat die Kunst schon in der romanischen Zeit begonnen, Altarkreuze zu entwickeln. Der zelebrierende Priester soll durch den Anblick des Gekreuzigten zu einer tieferen Frömmigkeit angeregt werden. Gerade das vor ihm stehende Kreuz kann ihn an das erinnern, was er im Augenblick mit der Gemeinde vollzieht: die Gegenwärtigsetzung des Kreuzesopfers Christi in der Feier eines Mahles.
In der neuen Sakristei des Domes bildet ein solches Altarkreuz die Mitte des Raumes. Vor ihm versammelt sich bei jedem Gottesdienst die liturgische Gruppe
zum einstimmenden Gebet. Der Blick auf dieses Kreuz soll alle Akteure in den Ernst der Feier einführen.
Das 106 Zentimeter hohe und schmale Kreuz, das nach einer vorliegenden Aktennotiz 1952 aus Familienbesitz angekauft wurde, stammt aus der Zeit um 1700. Der Sockel
und die Kreuzesbalken, die an den Enden jeweils in einen Dreipass mit eingelegten Ranken aus Akanthusblättern münden, sind aus Ebenholz, die Figuren Christus und Maria aus Elfenbein. Der
stabile Fuß, in dem der Längsbalken steht, ist rechts und links mit schwungvollen Griffen versehen. Nach innen hin schließen sich je drei schmale Säulchen mit Messingkapitellen an.
Dazwischen liegt eine kunstvoll gestaltete Fläche, auf der fünf Putten schweben, die die Leidenswerkzeuge Jesu, Kreuz, Leiter, Hammer, Zange, Lanze und Stab mit Schwämmchen in Händen
halten. Außerdem sind - vom Laubwerk umgeben - ein Kelch und ein Hahn zu sehen. Über den ganzen Sockel und über beide Kreuzesbalken zieht sich diese feine Intarsienarbeit. Am Fuße des
Kreuzes steht auf einer kleinen Erhöhung die mater dolorosa, die schmerzensreiche Frau, die zu ihrem leidenden Sohn aufschaut. Sie trägt ein faltenreiches Untergewand, dessen Enden sie
mit ihren gefalteten Händen hält. Über das Obergewand fallen ihre langen, gelösten und lockigen Haare. Ihr Blick ist voll trauernder Anteilnahme und tiefer Demut.
Hoch über ihr
hängt ihr gekreuzigter Sohn mit nach oben ausgestreckten Armen. Sein schmaler Lendenschurz wird von einer Kordel gehalten. Die angenagelten Füße stehen nebeneinander. Der nach oben zu
Gott gewandte hilfesuchende Blick und der offene Mund sind naturalistischer Ausdruck seines Leidens. Die über seinem Haupt angebrachte Tafel aus Elfenbein ist ohne Inschrift. Als Ornament
befindet sich auf den Kreuzesbalken aufgetragenes Blattwerk, das als Hinweis auf das Leben verstanden werden darf.
Die zuweilen geäußerte Vermutung, es handele sich bei der auf dem
Sockel stehenden Figur um Maria Magdalena, ist unwahrscheinlich, da sie meistens als Büßerin, die das Kreuzesholz umfasst, dargestellt wird. Die ovale Mulde in der Kreuzmitte weist auf
ein verlorengegangenes Medaillon hin.
[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Das Kaselkreuz]
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