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Mindener Kaselkreuz von großem Wert

Reliefstickerei und Applikationen zeichnen Kreuz aus

Von Propst i. R, Paul Jakobi

Die Kasel ist als liturgisches Obergewand
des Priesters und des Bischofs seit dem 4. Jahrhundert in der römischen Kirche bekannt. Der Name ist von dem lateinischen Wort casula übernommen; es bedeutet kleines Zelt oder Häuschen. Aus dieser Bezeichnung schon kann die ursprüngliche Form des Gewandes abgeleitet werden. Es handelte sich um einen glockenförmigen Überwurf ohne Ärmel mit einem Ausschnitt für den Kopf. Im Laufe der Jahrhunderte wurde der Schnitt zunehmend verkürzt und seitlich immer mehr beschnitten, sodass die Hände bessere Bewegungsfreiheit für das Zelebrieren der Messe bekamen. In der Barockzeit ist nur die Form eines Skapuliers geblieben; allerdings traten schwerere Stoffe und mehrfache Stoffkombinationen in den Vordergrund.

In der Schatzkammer befindet sich ein spätgotisches Kaselkreuz etwa aus dem Jahre 1500, das früher auf der Rückseite eines Messgewandes angebracht war. Die meisten Kaseln hatten ein Kreuz auf dem Rücken, um an das Wort Jesu zu erinnern: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach" (Mt 16,24). Gerade von dem Priester, der das hl. Messopfer feierte, wurde die Ernstnahme dieser Forderung erwartet, die der Dichter Paul Claudel später in die Worte kleidete: „Wir müssen das Kreuz tragen, ehe es uns trägt.“

Die Stickerei mit Seiden- und Goldfäden auf dem Kaselkreuz ist farblich stark verblasst. Einige Spuren der rötlichen und grünlichen Farbe sind noch zu erkennen. Zur besseren Erhaltung dieses wertvollen Gewandes ist es heute auf Holz aufgezogen.

Auf einem mit Seidenkordeln umwickelten Kreuz ist ein kleineres Kreuz mit einem langen Längsbalken angebracht, an dem der Gekreuzigte angenagelt ist. Sein Haupt, dessen Augen geschlossen sind, ist nach rechts und unten geneigt. Das Blut, das aus den Händen und Füßen fließt, wird von drei Engeln mit Kelchen aufgefangen. Über dem Gekreuzigten ist Gottvater als Halbfigur dargestellt. Er schwebt auf einer Wolke; in der linken Hand hält er die Weltkugel, während er mit der rechten segnet. Sowohl Gottvater als auch der Gekreuzigte tragen einen Nimbus aus Lilienkreuzen. Auf der linken Seite des Querbalkens befindet sich Petrus mit Buch und Schlüssel, auf der rechten Paulus mit dem Schwert in der linken Hand; mit dem rechten Zeigefinger weist er auf den Gekreuzigten. Beide Apostel haben einen Heiligenschein. Zu den Füßen Jesu stehen seine Mutter mit gefalteten Händen und Johannes der Evangelist, der mit der Linken sein Gewand hält. Am unteren Ende dieses langen Kreuzes sitzt Maria Magdalena in Trauer und Klage. Ihre Liebe zu Jesus bringt sie dadurch zum Ausdruck, dass sie das Holz mit ihren Händen umfasst.

Das Mindener Kaselkreuz ist wegen seiner Reliefstickerei und seiner Applikationen von großem Wert. Es zeugt von der Bedeutung, die die mittelalterlichen Gläubigen der liturgischen Gewandung zugemessen haben. Weil früher der Priester in Blickrichtung des Volkes zelebriert hat, war der Rücken die Schauseite der Kasel. Als aber das 2. Vatikanische Konzil die Zelebration wieder - wie in der ganz frühen Kirche - zum Volke hin erlaubte, bekamen die Messgewänder eine neue Schauseite, sodass mehr und mehr die Vorderseite künstlerisch gestaltet wurde.

Vor dem ersten Gebrauch werden die Messgewänder gesegnet und damit einer weltlichen Nutzung entzogen.

[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Sigebert in Elfenbein]

 

Das Kaselkreuz war früher auf der Rückseite eines Messgewandes angebracht

Das Kaselkreuz war früher auf der Rückseite eines Messgewandes angebracht.   Foto: Arnold Weigelt

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Aktualisiert: 27/04/12
 

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