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Gefäße, die dem Göttlichen würdig sind

Mindener Messkelche aus Gotik und Barock

Von Propst i. R. Paul Jakobi

Die in Minden geborene [Dichterin Gertrud von le Fort], die ihr Leben als eine Brücke zwischen den evangelischen und katholischen Christen verstanden hat, gibt in ihrem grundlegenden Werk "Hymnen an die Kirche" ein Zwiegespräch zwischen der Seele und der Welt wieder. Die Seele spricht zu den Menschen, die in ihr leben:

"Wir sind verdurstet bei euren Quellen, wir sind verhungert bei eurer Speise, wir sind blind geworden bei euren Lampen!

Ihr seid wie eine Straße, die nie ankommt, ihr seid wie lauter kleine Schritte um euch selber!

Ihr seid wie ein treibendes Gewässer, immer ist in eurem Munde euer eigenes Rauschen!

Ihr seid heute eurer Wahrheit Wiege, und morgen seid ihr auch ihr Grab!

Wehe euch, die ihr uns mit Händen greifet: eine Seele kann man nur mit Gott fangen!

Wehe euch, die ihr uns mit Bechern tränket: einer Seele soll man dieEwigkeit geben."

Mit diesen (an-) klagenden Worten beschreibt die Dichterin die Sehnsucht der Menschen nach dem Ewigen. Weil "der Mensch den Menschen um ein Unendliches übersteigt" (Pascal), kann nur der Ewige seinen Hunger stillen. Gott meint sie, wenn sie zur Kirche sagt: "Er wohnt im Wein deiner Kelche und im weißen Brot auf deinen Altären."

So wie Gertrud von le Fort haben auch die Christen in früheren Zeiten geglaubt. Daher sind in jeder Epoche der Kunstgeschichte Gefäße entstanden, die dem Göttlichen würdig sein sollten. Alles, was im Gottesdienst der Kirche in unmittelbare Berührung mit Gott kommt, nennt man vas sacra - heilige Gefäße. Zu ihnen gehören vor allem die Kelche, weil sie das Blut Jesu Christi aufnehmen dürfen. In der Schatzkammer befinden sich viele solcher Gefäße, vor allem aus der gotischen Zeit. Einer von ihnen soll hier vorgestellt werden.

Es handelt sich um einen Messkelch, der in der zweiten Hälfte des 14. oder in der ersten des 15. Jahrhunderts wahrscheinlich in Westfalen entstanden ist. Er ist aus geschmiedetem Silber und vergoldet. Der sechsseitige Fuß, dessen Ecken mit plastisch gearbeiteten Weinblättern hervorgehoben werden, hat einen profilierten Rand. Eine an der Kante verlaufende Inschrift verweist auf den Stifter heineken monkhusen. Auf dem mittleren Feld des Fußes ist eine kleine silbergetriebene Figurengruppe - die Anna selbdritt - aufgelötet. Alle Fußsegmente zieren verschiedene Edelsteine in der Farbkombination Weiß - Rot - Blau - Grün. An einer Stelle des Fußes wurde eine römische Gemme des 2. bis 3. Jahrhunderts aus dunkelgrünem Jaspis angebracht. Auf ihr ist ein nach rechts schreitender Löwe mit erhobenem Schwanz abgebildet, vielleicht ein Symbol für den Sieg Christi. Der sechsseitige Schaft enthält eingravierte Maßwerkbögen; in der Mitte wird er von dem Nodus unterbrochen, der auch gotische Strukturen aufweist. Aus den goldenen Buchstaben ist die Bezeichnung IHESUS zu erkennen.

Von den Kelchen aus der Barockzeit soll das Werk eines unbekannten Meisters, auf den die eingeschlagenen Buchstaben IGZ hinweisen, vorgestellt werden. Der Messkelch ist im letzten Viertel des 17. Jahrhunderts entstanden. Der schmale und hohe Kelch fällt durch seine reiche Verzierung auf. Auf dem leicht gewölbten Sechspassfuß sind symmetrisch gestaltete Akanthusblattranken angebracht. Der Schaft ist im unteren Teil mit Rillen verziert. Über einem gestalteten Wulstring sitzt der sich nach oben hin ausweitende Nodus; er weist Akanthusblätter und Margaritenblüten auf. Die silbervergoldete Kuppe wird zu zwei Dritteln von Akanthusblattranken umgeben, in denen sich drei Medaillons mit den Marterwerkzeugen Christi befinden:

Kreuz, Speer, Stab mit Essigschwamm, Geißel, Rute, Keule, Stock und Dornenkrone. Sie weisen auf den Kreuzestod Christi hin, aus dem das Sakrament der Eucharistie erwachsen ist.

[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Insignien des Bischofs]

 

Eine kleine silberne Figurengruppe - die Anna selbdritt - ist auf dem Kelchfuß aufgelötet

Eine kleine silberne Figurengruppe - die Anna selbdritt - ist auf dem Kelchfuß aufgelötet.   Foto: Arnold Weigelt

Reich verziert ist der Messkelch, der im letzten Viertel des 17. Jahrhundert entstand

Reich verziert ist der Messkelch, der im letzten Viertel des 17. Jahrhundert entstand.   Foto: Arnold Weigelt

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Aktualisiert: 27/04/12
 

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