Folgen Sie uns auf Facebook Folgen Sie uns auf Twitter Besuchen Sie uns auf Google plus
Blog Minden-Magazin
Willkommen
StadtGeschichte
Neun Bilder
Goldene Tafel
Domschatz
Wasserstraße
Raddampfer
Schiffmühle
Minden & Preußen
Schlacht in Minden
Varus in Porta?
Alter Friedhof
Kreuzkirche
Partnerstädte
Minden-Links
Minden aus der Luft
Veranstaltungen
Service für Sie
Familie Amtage
Herder-Abi 1979
Mailen Sie uns

Besucher im Jahr 2012
Danke für 80.048 Besucher im Jahr 2011.

“Werdet so, wie dieses Brot”

Der Domschatz birgt zwei sehenswerte Ziborien

Von Propst i. R. Paul Jakobi

Eines der am häufigsten gesprochenen Tischgebete lautet :
”Alle Augen warten auf dich, o Herr, du gibst ihnen Speise zur rechten Zeit. Du öffnest deine Hand und erfüllst alles, was lebt, mit Segen.”
Ein solches Gebet sprechen Menschen, die Hunger haben. Mahatma Gandhi, der diese Not aus nächster Nähe kannte, hat dazu gesagt: “Es gibt so viele hungernde Menschen in der Welt, dass Gott nur in der Form des Brotes zu ihnen kommen kann.” Auch aus diesem Grunde hat Jesus uns zu beten gelehrt: “Unser tägliches Brot gib uns heute” (Mt 6,ll).

Der Hunger der Menschen aber hat viele Gesichter; es gibt auch einen Hunger der Seele. Um diesen Hunger zu stillen, muss tiefer gegraben werden. ”Wer unter der Oberfläche gräbt, tut das auf eigene Gefahr” (Oscar Wilde). Er stößt auf Erkenntnisse, die ein Leben verändern können. Zu diesen Erkenntnissen gehört das Wort Jesu: “Ich bin das Brot des Lebens” (Joh 6.48 ). Brot ist mehr als Brot; Brot ist ein Name. Jesus konnte sich mit dem Brot identifizieren, weil die Bestimmung des Brotes mit seinem Wesen übereinstimmt. Das Brot ist niemals für sich da, sondern immer für andere. Indem es sich an die Menschen verschenkt, erhält es ihr Leben. Genau das war auch die Intention Jesu, Brot zu sein für das Leben der Welt.

Dieses Brot aber soll nach dem Willen Jesu unter die Menschen kommen. Darum kann der Evangelist Johannes in seinem Bericht über die Brotvermehrung mitteilen, dass Jesus es an die Leute austeilte (vergleiche Joh 6,11). Seine Jünger haben ihm dabei geholfen, wie heute die Pfarrer das Abendmahl austeilen. Dazu werden große Kelche in den Kirchen benötigt, die das heilige Brot aufnehmen. Diese Kelche enthalten die Botschaft, die lautet: “Werdet so, wie dieses Brot. Empfangt es und lasst euch selbst in ein Brot für andere verwandeln.”

Im Mindener Domschatzinventar von 1683 werden zwei sehenswerte Ziborien erwähnt, die in der Schatzkammer noch vorhanden sind. Das erste wird als ”übergüldetes messingen Ciborium” bezeichnet. Es stammt aus dem 13. oder 14. Jahrhundert und besteht aus Kupfer. Im Mindener Inventar wird mehrfach Messing mit Bronze oder vergoldetem Kupfer verwechselt. Das Innere des Gefäßes war früher versilbert.

Dieses Ziborium besticht durch eine schlichte, romanische Form. Über einem einfachen, runden Fuß erhebt sich ein langer. säulenförmiger Schaft, der innen hohl ist. Die Mitte des Schaftes wird durch einen sechsfach ausgebuckelten Nodus betont, der beim Halten in der Hand Sicherheit gibt. Am oberen und unteren Ende sind Manschetten angebracht. Der Schaft trägt ein schlichtes, rundes Gefäß, das von einem konisch gestalteten Deckel abgeschlossen wird. Gefäß und Abdeckung sind durch Scharniere miteinander verbunden, von denen ein Scharnier zum öffnen einen herausnehmbaren Stift mit Kettchen hat. Ein auf der Spitze angebrachter, abgeflachter Kugelknauf erleichtert das Abheben des Deckels.

Das andere Ziborium ist am Anfang oder in der Mitte des 16. Jahrhunderts entstanden. Es besteht aus Silber und ist zum Teil vergoldet. Im Mindener Domschatzinventar wird es mit den Worten beschrieben: ”Ein silbern übergüldeter Communicanten - Becher mit dem Deckel.” Von besonderer Schönheit ist der Fuß dieses Ziboriums. Über einer kunstvoll gestalteten Profilkante laufen zwölf Rillen auf den aufsteigenden Schaft zu, in denen zwölf in Silber gegossene Apostelfiguren in Dreiviertelplastik mit ihren Attributen dargestellt sind. Die Mitte dieses Fußes wird durch ein schlichtes eingraviertes Kreuz bestimmt. Eine wertvolle Goldschmiedearbeit ziert auch den Knauf, auf dem Rautenfelder mit Akanthusblattrosen erkennbar sind. Über einem Ring ist die Kuppe befestigt, die früher innen vergoldet war. Der Speisekelch wird mit einem Deckel in Halbkugelform verschlossen. Wie eine Krone befindet sich darauf ein aus Blättern gestaltetes Zierwerk, aus dessen Mitte ein schlichtes Kreuz erwächst, das anstelle eines Korpus überkreuzt einen Speer und einen Stab mit Essigschwamm trägt. Wahrscheinlich sind Krone und Kreuz in späterer Zeit ergänzt worden.

Die liebevoll gearbeiteten Speisekelche wollen ihre Verehrung für das Mahl Jesu, in dem das eucharistische Brot ausgeteilt wird, zum Ausdruck bringen. Sie sind aber auch ein Hinweis auf das Verlangen der Menschen, das Ernst Wiechert in die Worte kleidet:

“Und gib, dass es mir niemals fehlt an dem, wonach ihr Herz sich quält: Ein bisschen Brot und viel Erbarmen.”

[Nächstes Objekt im Mindener Domschatz: Der Heilige Andreas]

 

Das Ziborium aus dem 13. oder 14. Jahrhundert besticht durch eine schlichte Form

Das Ziborium aus dem 13. oder 14. Jahrhundert besticht durch eine schlichte Form.   Foto: Arnold Weigelt

Über einer kunstvoll gestalteten Profilkante laufen zwölf Rillen auf den aufsteigenden Schaft zu, in denen zwölf in Silber gegossene Apostelfiguren dargestellt sind

Über einer kunstvoll gestalteten Profilkante laufen zwölf Rillen auf den aufsteigenden Schaft zu, in denen zwölf in Silber gegossene Apostelfiguren dargestellt sind.   Foto: Arnold Weigelt

[Impressum und Haftungsausschluss: © amtage.de] - das private Minden-Magazin über die Stadt Minden (Westfalen).
Aktualisiert: 27/04/12
 

Diese Seite ist optimiert für IE

Internet Explorer

ab Version 8, Firefox ab Version 6

Firefox

und Google Chrome

 

Chrome