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Was Archäologen im Jahr 1996 als vorromanischen Kirchenbau auf der Wittekindsburg freilegten, ist weit über die Grenzen von Ostwestfalen-Lippe von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung. In ganz Europa ist nur noch in Trier ein ähnlich bedeutendes kirchliches Bodendenkmal erhalten. Die Fundament- und Mauerüberreste dieser um etwa 1000 nach Christi Geburt gebauten Kreuzkirche sind mit Lehmmörtel gebunden, so dass über dem Denkmal ein 450.000 Euro teurer Schutzbau errichtet werden musste. Innerhalb der Grundmauern dieses so genannten Zentralbaues konnten auch mehrere Gräber freigelegt werden.

Jürgen Schünemann trägt ein kleines silbernes Kreuz am Revers seiner Lederjacke. Er freut sich, wenn die Leute fragen, was das sein soll. "Denn dann", sagt er, "kann ich gleich zum Thema kommen." Jürgen Schünemann ist Leiter der Projektgruppe Kreuzkirche in der Gesellschaft zur Förderung der Archäologie in Ostwestfalen [GeFAO].

Das Kreuz an Schünemanns Jacke stellt ein Bodendenkmal dar, das ihm am Herzen liegt: Den symmetrischen Grundriss der 1996 entdeckten Kreuzkirche aus dem 10. Jahrhundert auf dem Wittekindsberg in Minden. Dieses Bodendenkmal in Form eines griechischen Kreuzes gilt weit über die Grenzen Ostwestfalens als von großer historischer und kunstgeschichtlicher Bedeutung.

Ein im September 2003 eingeweihter Glasbau schützt die überaus empfindlichen Rundmauern der Kreuzkirche. Die freigelegten Bruchsteinfundamente und Mauerreste sind mit Lehm gebunden, müssen vor Wind und Wetter geschützt werden. Die Initiative zum Bau dieses Schutzdachs ging vom Oberkonservator am Westfälischen Museum für Archäologie, Dr. Werner Best, aus. Best hat das Bodendenkmal gemeinsam mit einer Kollegin entdeckt und 1996 die Ausgrabungen geleitet. Nur mit Schutzbau war es möglich, dieses in Europa einmalige historische Denkmal für die Öffentlichkeit sichtbar zu erhalten.

Auch zur offiziellen Einweihung durfte niemand in den gläsernen Schutzbau hinein. Betreten werden soll der Bau nur zu Wartungszwecken. Die komplett verglaste Fassade gewährt einen gesamten Einblick auf das bedeutende Exponat. So erkennt man gut die fünf Metallplatten, die symbolisch die Lage der in der Kreuzkirche gefundenen Gräber markieren. Genetische Untersuchungen ergaben, dass dort eine Frau mit ihren vier Kindern, die zwischen einem und sieben Jahre alt waren, die letzte Ruhe fand. Vermutlich ist hier eines der ältesten bekannten Familiengräber Deutschlands entdeckt worden.

Aus den wenigen bekannten historischen Quellen zur nahegelegenen Wittekindsburg lassen sich die Namen der Toten nicht ermitteln. Nach Ansicht der Wissenschaftler liegt es jedoch auf der Hand, in ihnen die Angehörigen einer herrschaftlichen Familie zu sehen. Denn andernfalls hätte man vor rund 1000 Jahren den hohen Aufwand des Baues an dieser bautechnisch komplizierten Stelle mit ihrem starken Gefälle kaum betrieben. Ebenso wenig ist der Bauherr der Kreuzkirche bekannt, der Kenntnis von der außergewöhnlichen Form des Zentralbaus gehabt haben muss. Es sei nicht auszuschließen, dass der Mindener [Bischof Milo] (978 bis 996) dafür in Frage kommt, so die Experten.

Milo von Minden sah sich veranlasst, oben auf dem Weittekindsberg ein Kloster zu gründen, um das religiöse Leben nach den Vorstellungen der Kirche zu regeln. Der Hintergrund liegt in der [Einsiedlerin Thetwif], die sich auf den Wittekindsberg zurückgezogen hatte, um ein gottgefälliges Leben als Einsiedlerin zu leben. Ihr Beispiel zog weitere junge Frauen an. So gründete Milo 993 für Thetwif und ihre Anhängerinnen das erste Benediktinnerinnenkloster Westfalens.




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Kreuzkirche bei Minden

Die Kreuzkirche auf dem Wittekindsberg wurde 1996 entdeckt und stammt etwa aus dem Jahr 1000.

Grundriss der Kreuzkirche mit den Grabstellen

Grundriss der Kreuzkirche (griechische Kreuzform) mit den fünf Grabstellen einer Frau und ihrer Kinder.

Modell der Kreuzkirche etwa aus dem Jahr 1000

Wissenschaftler rekonstruierten das vermutliche Aussehen der Kreuzkirche auf dem Wittekindsberg.

Blick in den Schutzbau der Kreuzkirche

Blick in den Schutzbau. Angedeutet sind die Grabstellen, die in der Kreuzkirche entdeckt wurden. Fotos: GeFAO
 

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Aktualisiert: 29/01/12
 

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