|
Winkelturm
wich Neubau der Mindener Schleuse
Die "Wiederentdeckung" eines steinernen Zeugen
des Zweiten Weltkrieges, des "Zuckerhutes" an der Bauhofstraße in Minden war bundesweit auf Interesse gestoßen.
Jahrelang war der so genannte Winkelbunker zwischen den dicht gewachsenen Bäumen nördlich der Mindener Staatswerft verschwunden. Erst die Rodungsarbeiten im Zusammenhang mit dem Bau der neuen Schleuse im Herbst 2009 brachten ihn an den Tag. Doch das Wissen über den überirdischen Schutzraum hielt sich in Minden in Grenzen. Nicht so bei vielen Hobbyhistorikern und Baufachleuten, die sich teils seit Jahrzehnten mit der Thematik "Bunker" beschäftigen und aktuell im Internet ihre Informationen austauschen. So flossen nach der Wiederentdeckung des "Zuckerhutes", wie das Objekt landläufig in Minden genannt wurde, im weltweiten Datennetz die Hinweise. Darunter auch im Forum "Luftschutz-Bunker.de".
Der studierte Architekt Ludwig Winkel war der Erfinder dieses Luftschutzturmes. Bei der Thyssen AG in Duisburg-Hamborn habe er Häuser für die Beschäftigten des Werkes entworfen - und den nach ihm benannten Luftschutzbunker, heißt es in dem Forum. Ende 1936 meldet Winkel ein eigenes Gewerbe an, nachdem bereits 1934 das erste Patent für einen Turm mit neun Stockwerken für insgesamt 200 Personen eingetragen wurde.
Waren frei errichtete Schutzräume ursprünglich von vielfältiger Form, kam es Ende der 1930er-Jahre zu einer Vereinheitlichung. Vor allem um Material, Errichtungszeit und Kosten besser kalkulieren zu können. So fand auch der Winkelbunker seine Form, der dem italienischen, frei stehenden Glockenturm, dem Campanile, nachempfunden sein soll. Innovativ sei vor allem gewesen, dass das Kegeldach in Verbindung mit dem zylindrisch gehaltenen Baukörper Bomben abweisend sein sollte.
Soviel sei dazu an dieser Stelle bereits geschrieben: Der von den britischen Streitkräften auch "ant hill" (Ameisenhügel) genannte Schutzbau erzielte seine angedachte Wirkung nicht. Im Oktober 1944 durchschlug eine amerikanische Bombe das Dach eines solchen Winkelbunkers auf dem Focke-Wulf-Gelände in Bremen-Hemelingen. Fünf Todesopfer waren zu beklagen.
Anders als die Bunkerbauten des Zivil- und Werkluftschutzes sollen die Pläne der Winkeltürme als geheim eingestuft gewesen sein, wie Bunkerexperten recherchierten. Beleg dafür sei unter anderem ein Schreiben des Reichsministers der Luftfahrt und Oberbefehlshabers der Luftwaffe aus dem Jahr 1936.
In diesem Brief wird auch beschrieben, welche Funktionen ein solcher Winkelbunker haben kann. Zum einen für die "Gefolgschaft kriegswichtiger Industriewerke", dafür war auch der Anfang der 1940er-Jahre errichtete "Zuckerhut" an der Bauhofstraße in Minden gedacht. Zum anderen aber auch als Treibstofflager, als Funkzentrale oder als Gebäude für Kraftanlagen.
Das Material dieser Winkeltürme bestand überwiegend aus Stahlbeton. Die Wände waren zwischen zwei und 1,50 Meter dick. Im Innern ähnelten die Bunker einem Treppenhaus. Die verschiedenen Typen gaben zwischen 160 und 500 Personen Platz.
Von den ursprünglich rund 200 Winkelbunkern, die gebaut worden sein sollen, sind heute noch etwa 80 Standorte in Deutschland bekannt. Die nächsten stehen in Hannover und Paderborn.
Der Mindener "Zuckerhut" ist seit November 2010 Vergangenheit. Am 23. November wich er dem Bau der neuen Schleuse. Bunkerfachleute hatten zuvor empfohlen, diesen Winkelturm noch einmal zu vermessen und auf diese Weise dieses Relikt der Schrecken des Zweiten Weltkrieges als Datenmaterial für die Nachwelt zu erhalten.
|